MP3 versus CD
MP3-Dateien oder doch lieber die gute alte CD? Eine Frage, an der sich bekanntlich viele Geister scheiden. Auf der einen Seite stehen die Verfechter der herkömmlichen Tonträger (namentlich CDs und LPs), auf der anderen die Befürworter von digitalen Musikdateien (MP3 etc.). MCs sollen an dieser Stelle ausgeklammert werden. Schließlich habe sogar ich mittlerweile kein Kassetten-taugliches Abspielgerät mehr in meinem Besitz. „Willkommen im 21sten Jahrhundert“, muss man da wohl sagen.
Aber worin liegen eigentlich die Vor- und Nachteile der allesamt musiktragenden, so doch sehr unterschiedlichen Formate.
Digitale Musikdateien haben natürlich den Vorteil, dass sie mit höchster Mobilität und einer nahezu unbegrenzten Haltbarkeit auftrumpfen. Des Weiteren lassen sie sich einfacher ordnen, verwalten und wesentlich schwieriger verlegen.
Das Gefühl fehlt
Auf der anderen Seite geht dem Musikliebhaber ein ganz besonderes Gefühlserlebnis verloren: Nämlich in einen Plattenladen seines Vertrauens zu gehen, sich nach einer Ewigkeit für eine neue CD zu entscheiden, diese zuhause endlich auszupacken und die ersten Tracks zu hören, während man im dazugehörigen Booklet stöbert. Erinnern Sie sich?
Auch ist es für viele ein großer Glücksmoment, wenn man auf einem Flohmarkt, im Plattenladen oder meinetwegen auch online zufällig eine heiß begehrte CD findet und sie danach endlich sein eigen nennen darf. Das ist doch wesentlich emotionaler, als wenn man innerhalb von fünf Minuten einen einzelnen Song oder ein ganzes Album findet und runterlädt.
Fans von iPod und Co. werden es wahrscheinlich vehement bestreiten, aber der Klang einer CD ist auch einfach anders. Zumindest fühlt er sich anders an. Bei LPs tritt dieses Phänomen wohl unbestreitbar.
Mobil und ohne Kratzer
Für digitale Musikdateien sprechen aber ganz klar die bereits erwähnte Mobilität und die lange Lebensdauer. Wer kennt es nicht: Kratzer auf der CD nehmen einfach jegliches Hörvergnügen oder machen sie komplett nutzlos. An dieser Stelle ein klarer Punkt für digitale Musik.
Und so ist es nicht verwunderlich, dass für das Jahr 2012 erstmals erwartet wird, dass die Downloadzahlen die Zahl der verkauften CDs überholen. (Quelle: http://techland.time.com/2011/03/31/just-one-more-year-until-digital-music-beats-physical-cd-sales/) Dabei spielt die steigende Anzahl an Smartphones als mobile Abspielgeräte eine wichtige Rolle.
Unterwegs MP3 – zuhause CD?
Und genau hier liegt auch der Hase im Pfeffer. Beiden Medien haben einfach ein unterschiedliches Einsatzgebiet.
Während man unterwegs, sei es in Bahnen, im Auto oder beim Sport, meistens ohnehin keinen wirklich hochwertigen Klang benötigt bzw. zu schätzen weiß, geht doch nichts über das Gefühl, seine CD- Sammlung zuhause auszubreiten und sie über die heimische Stereoanlage zu genießen.
Als geneigter Musikliebhaber stellt man sich doch unweigerlich die Frage: Welches Format wird auf Dauer das Rennen machen?
Riesiges Angebot – kleinere Kosten
Apples iTunes, Amazon Music, aber auch Youtube, Napster, Simfy, Grooveshark und LastFM erleichtern immer mehr den Zugang zu digitaler Musik. Und auch die weltweit erfolgreichste Suchmaschine Google will ein Stück vom Kuchen abhaben und steigt mit Google Music ins Musik-Streaming-Geschäft ein (aktuell nur in den USA). Vom illegalen Download will ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. Das Angebot ist also riesig und bietet auch für unterschiedlichste Nutzerverhalten eine passende Lösung.
Dazu kommen noch die geringeren Kosten, die der vorherrschenden und sich immer weiter entwickelnden Sparmentalität der Käufer in die Hände spielen. Aber wem kann man das verdenken, wenn man für 30 Jahre alte Alben im Laden immer noch mit stolzen 17,99 € zur Kasse gebeten wird.
Man stellt sich dann zu Recht die Frage, warum man sich nicht nur die zwei Lieblingsstücke des Albums für ca. 1,99 € im Durchschnitt entweder runterladen oder direkt auf das mobile Endgerät streamen soll. Nicht umsonst bieten z.B. iTunes mittlerweile 20Mio (das sind stolze 7 Nullen !) Titel an.
Konzeptalben am Stück genießen
Aber auch hier gibt es eine Kehrseite der Medaille: Schließlich kann man oft nur den Kauf des ganzen Albums empfehlen, da viele Künstler den Climax ihrer Alben auf eine bestimmte Art und Weise aufbauen. Dieser Spannungsbogen geht natürlich verloren, wenn man sich nur einzelne Titel kauft.
Und gerade beim Streamen steht halt das eher kurzfristige Hörvergnügen dem Gefühl gegenüber, ein Gesamtkunstwerk wirklich in den Händen zu halten. Mal ganz abgesehen davon, dass sich Anbieter von Musikstreams teilweise immer noch in einer rechtlichen Grauzone und stets auf dem Kriegspfad mit der GEMA befinden.
Der langen Rede kurzer Sinn: Verfechter gibt es für beide Seiten. Gute Gründe ebenfalls. Und es sei auch Jedem zugestanden, aus Prinzip für oder gegen das jeweils Andere zu sein. Schlussendlich geht doch immer nur um die schönste Nebensache der Welt: nämlich Musik ...oder wie war das noch mal? ;-)
